Angespannte Liquiditätslage? So behalten Sie die Kontrolle und schaffen sich Handlungsmöglichkeiten

Aktualisiert: Apr 20



"Kann ich mir das leisten?" - "Wie lange reicht mein Puffer aus?" - "Wo kann ich etwas einsparen?" - "Wie viel kann ich aktuell für später zurücklegen?" - Egal ob in unserem Kundenkreis oder im privaten Umfeld: Diese Fragen beschäftigen momentan viele Selbstständige und kleine Unternehmer, denn die Krise geht nur an wenigen Branchen spurlos vorbei.


Wenn Kunden mit diesen oder ähnlichen Fragestellungen auf uns zukommen, ist unsere Antwort immer gleich: Verschaffen wir uns erst einmal einen Überblick über Deine finanzielle Situation. Denn ohne Überblick hast Du keine Kontrolle über Deine Finanzen und kannst keine vernünftige Entscheidung treffen. Erst, wenn Du weißt, wie hoch Deine Einnahmen und Ausgaben sind, wann diese anfallen, und wie viel Überschuss dabei entsteht, kannst Du eine informierte Entscheidung über nächste Schritte treffen.


Eigentlich weiß das auch jeder...


...und trotzdem erleben wir es immer wieder, dass finanzielle Entscheidungen, auch größere, oft aus dem Bauch heraus getroffen werden: Die Folgen machen sich schnell bemerkbar und sind hartnäckig: z.B. laufende Ausgaben, die aus dem Ruder laufen oder unzureichende Rücklagen für Unvorhergesehenes. All das engt den eigenen Handlungsspielraum ein und ist oft der Anfang von finanziellen Sorgen und Engpässen, die man über Jahre mit sich schleppt.


Oft entsteht dann das Gefühl, dass man sich morgens im Spiegel ansieht und denkt: "Eigentlich müsste ich finanziell schon viel weiter sein, als ich heute bin."

Wir sehen z.B. häufig in der Praxis, dass Geschäftskonten überzogen werden und das mit teuren Kontokorrentzinsen bezahlt wird. Auf der anderen Seite bespart man Lebens- und Rentenversicherungen für die private Vorsorge aus den laufenden Einnahmen des Geschäftskontos. Oder vereinfacht ausgedrückt: Wenn Du bei einer Anlage 4% Zins bekommst und für die Überziehung des Kontokorrents 5% zahlst, dann würdest Du sagen, dass das keine gute Idee und ein schlechtes Geschäft ist. Aber genau das sehen wir häufig in der Praxis. Es geht hier nicht um kurzfristige Überziehungen, sondern um einen dauerhaften Zustand, der viel Geld kostet. Das ist nur eines von vielen Beispielen, wo es Optimierungsmöglichkeiten gibt, die von vielen übersehen werden.


Die Basis für finanzielle Kontrolle und Handlungsentscheidungen


Beim Thema Geld verhält es sich wie bei so vielen anderen Dingen: Eine grundlegende Übersicht über Deine eigenen Finanzen ist die Basis für Kontrolle und gute finanzielle Entscheidungen, die Du später nicht bereust. Egal ob es um eine Anschaffung geht, um eine Investition oder um den Aufbau von Liquiditätsreserven: eine detaillierte Aufstellung Deiner Finanzen sollte jeder Entscheidung vorausgehen.


Aber wie gehst Du nun konkret vor, wenn Du Dir einen ersten Überblick über Deine private Liquiditätssituation verschaffen willst?


Diese Fragen solltest Du mit Deiner Aufstellung beantworten können:

  • Wie hoch ist Dein jährlicher Überschuss bzw. Deine Unterdeckung? Sind Steuerzahlungen schon berücksichtigt?

  • Wie hoch ist Deine Liquiditätsreserve?

  • Welche Kosten kannst Du optimieren, reduzieren bzw. streichen?

  • Wie hoch ist das Risiko im Falle, dass Du Deine Arbeitskraft verlierst (z.B. durch Unfall oder Krankheit)?

  • Wie viel Liquidität könntest Du dieses Jahr für Investitionen nutzen?

  • Wie entwickelt sich Deine Liquidität voraussichtlich in den kommenden Jahren? Kommen größere Einnahmen oder Ausgaben auf Dich zu?


Wir empfehlen unseren Kunden, sich alle Einnahmen und Ausgaben in einem Jahreszeitraum anzusehen und auch, wie lange die Zahlungen laufen. Wenn Du dafür eine gute Vorlage brauchst, kannst Du sie hier anfordern: info@bogner-weber.com


Für die Darstellung gibt es verschiedene Varianten: eine einfache Excel-Tabelle zum Beispiel. Oder über einen eigenen Kundenzugang in der Finanzplanungssoftware der BOGNER & WEBER GmbH. Viele Kunden bitten uns auch darum, die Aufstellung für sie vorzunehmen. Das spart Zeit und Aufwand und umfasst nicht nur eine Einnahmen-/Ausgaben-Aufstellung, sondern einen vollständigen Finanzplan inklusive Vermögensbilanz und Versicherungsspiegel. Hier ein Bespiel eines B&W Finanzplans:


Beispiel_Finanzplanung_Feb. 2021
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Wenn Du es selbst anpacken willst, dann musst Du auf jeden Fall diese vier Rubriken erfassen, um einen Überblick über Deine Liquidität zu erhalten:


1. Fixe Einnahmen, z.B. Gehalt, Renten, Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, Kindergeld, sonstige fixe Einnahmen


2. Variable Einnahmen, z.B. Einkünfte aus Selbstständigkeit, Abfindungen, Tantiemen, Zinseinkünfte, Ausschüttungen aus Beteiligungen


3. Fixe Ausgaben, z.B. Versicherungsbeiträge, Darlehenszahlungen, Mieten und Pachten, Wohnnebenkosten, Schulgeld, Unterhaltszahlungen


4. Variable Ausgaben, z.B. Lebenshaltungskosten, KfZ-Kosten, Steuerzahlungen, Urlaub / Reisen, Fortbildungen, Spenden


Nimm Dir Zeit und erstelle Deine Positionen so detailliert wie möglich. Wenn es z.B. um Deine Wohnnebenkosten geht wie Strom, Wasser, Gas: schreibe sie einzeln auf und bilde eine Zwischensumme.

Dasselbe gilt auch für Versicherungen. Je detaillierter Du Deine Aufstellung erstellst, desto besser kannst Du agieren, Einsparungspotentiale erkennen und mit der Optimierung beginnen.

Wir haben dazu einen ausführlichen Ratgeber erstellt, der Dir dabei helfen soll, Einsparungspotentiale zu finden und darüber hinaus wertvolle Informationen rund um das Thema Finanzplanung liefert. Du kannst den Ratgeber hier anfordern: info@bogner-weber.com


Ein gründlicher Überblick über die jährlichen Einnahmen und Ausgaben hilft Dir nicht nur, unnötige Ausgaben zu reduzieren, sondern auch bei anstehenden Entscheidungen kompetent zu handeln. Und je größer und langfristiger die Folgen einer solchen Entscheidung sind, desto wichtiger ist dieser Überblick. Für eine wirklich ausführliche Finanzplanung solltest Du sogar noch einige weitere Punkte mit berücksichtigen, z.B. alle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten, Versicherungen und Deine Altersvorsorge – damit werden wir uns voraussichtlich in einem der nächsten Blog-Artikel beschäftigen.

„Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben... den Rest habe ich einfach verprasst.“

George Best (Fußballspieler; 1946-2005)